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 140 Jahre Pferdebahn
 

Sonderausstellung: Mit einem PS auf Schienen durch Frankfurt am Main

Fahrten mit der Straßen- und U-Bahnen ist für viele Frankfurter ein fester Bestandteil ihres Alltags, ermöglichen sie doch ein schnelles Vorankommen innerhalb der Stadt. So erreichen die U-Bahnen zwischen dem Kirchplatz in Bockenheim und der Hauptwache eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32 km/h und legen die knapp 3,2 Kilometer in sechs Minuten zurück. Weitaus gemütlicher, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h, ging es vor 140 Jahren zu, als am 19. Mai 1872 zwischen dem Schönhof in Bockenheim und der Hauptwache die erste Pferdestraßenbahnlinie Frankfurt am Mains eröffnet und damit der Grundstein für den innerstädtischen Schienenverkehr gelegt wurde.

Im April 1871, gut ein Jahr vor der Eröffnung der ersten Linie, hatte sich das Brüsseler Unternehmen Donner, de la Hault & Cie. um eine Konzession zum Bau und Betrieb einer Pferdestraßenbahn beworben. Zuvor hatten bereits andere Unternehmen die Stadt Frankfurt am Main um eine derartige Erlaubnis ersucht, die Stadt hatte jedoch stets abgelehnt. Das nun vorliegende Angebot war besser ausgearbeitet und ließ der Stadt u. a. bei der Vereinbarung der Konzessionsdauer sowie der Festsetzung des Anteils am zukünftigen Reingewinn mehr Gestaltungsspielraum. Nach gründlicher Prüfung des Angebots wurde dem Brüsseler Unternehmen daher am 24. November 1871 durch den Königlichen Polizeipräsidenten die Konzession erteilt. Kurz nach der Konzessionsvergabe wurde die „Frankfurter Trambahn-Gesellschaft F. de la Hault & Cie.“ (FTG) als belgisches Unternehmen mit ausländischem Kapital gegründet.

Die erste Strecke der FTG wurde im Jahr 1872 errichtet. Mehrere Verzögerungen am Bau sorgten zunächst für einige Unruhe in der Bevölkerung, bevor am 19. Mai 1872 die erste Pferdebahnlinie Frankfurts zwischen dem Schönhof und der Hauptwache ihren Betrieb aufnahm. Die Strecke begann auf der Rödelheimer Straße und führte über die Schloßstraße, den Bockenheimer Marktplatz (heutiger Kurfürstenplatz), die Mittelstraße (heutige Kurfürstenstraße), die Frankfurter Straße (heutige Leipziger Straße), die Bockenheimer Landstraße, das Bockenheimer Thor (an Stelle des heutigen Opernplatzes), die Große Bockenheimer Straße, den Theaterplatz (heutiger Goetheplatz) sowie den Steinweg. In den darauffolgenden drei Jahren wurde die Strecke über Konstablerwache und Friedberger Anlage immer weiter nach Osten verlängert, sodass am 10. September 1875 erstmals der Hanauer Bahnhof (etwa an Stelle der heutigen Haltestelle Zobelstraße) erreicht wurde.

Nachdem nun eine „Hauptstrecke“ fertiggestellt war, konzentrierten sich die Ausbauarbeiten anschließend auf die die Erschließung weiterer Stadtteile durch Pferdebahnlinien. Im Jahr 1879 wurde mit der Strecke nach Bornheim an der Friedberger Anlage der erste Abzweig von der Hauptstrecke eröffnet, im Jahr 1880 dann an der Hauptwache der zweite für eine neue Linie zu den Westbahnhöfen an der Taunusanlage. Ein Jahr später, am 15. April 1881, verkehrte erstmals eine Pferdebahnlinie nach „Dribdebach“ (Sachsenhausen). Die neue Linie von der Konstablerwache zum Lokalbahnhof überquerte den Main über die Obermainbrücke. In den 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das Streckennetz fortlaufend erweitert.

Das zunehmende Wachstum Frankfurts und der damit verbundene Anstieg der Bevölkerungszahl ließen die Pferdestraßenbahn jedoch zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Auf der Zeil verkehrten die Bahnen teilweise in Abständen von eineinhalb Minuten, auf der Kaiserstraße sogar etwa alle 30 Sekunden. Man musste sich in der Stadt Gedanken über die Zukunft der Straßenbahn machen. Ein Gutachten aus dem Jahr 1896 führte zu dem Schluss, dass die bisherige Erfolgsgeschichte der Straßenbahn nur mithilfe der Elektrifizierung fortgesetzt werden könne. Die Stadt Frankfurt am Main beschloss daher, die FTG zu übernehmen und den Straßenbahnbetrieb zu elektrifizieren.

Zum 1. Januar 1898 gingen fast alle Linien der FTG in das Eigentum der Stadt Frankfurt über, die sogleich begann, die Elektrifizierung des Trambahnnetzes voran zu treiben. Am 10. April 1899 war es schließlich soweit: die erste elektrische Straßenbahnlinie Frankfurts nahm zwischen Palmengarten (Osteingang) und Bornheim (Postamt) über Lokalbahnhof ihren Betrieb auf. Anschließend wurden sukzessive alle Trambahnstrecken elektrifiziert. Die letzte Pferdebahnlinie Frankfurts verkehrte noch bis zum 17. Juni 1904 zwischen Bockenheimer Warte und Rödelheim. Einen Tag später wurde auch sie durch „Die Elektrische“ ersetzt.

Über 32 Jahre lang war die Pferdestraßenbahn ein fester Bestandteil des öffentlichen Frankfurter Lebens. In ihren Hochzeiten wurden über 900 Pferde und über 200 Wagen eingesetzt. Das Verkehrsmuseum Frankfurt am Main widmet der Pferdebahn anlässlich des 140. Jubiläums ihrer Betriebsaufnahme eine Sonderausstellung. Darin ist neben der Entwicklung des Streckennetzes und Impressionen des täglichen Betriebs auch ein Blick hinter die Kulissen des Pferdbahnbetriebs zu sehen. Die Ausstellung ist seit dem 20. Mai 2012 zu den regulären Öffnungszeiten im Verkehrsmuseum Frankfurt am Main zu sehen.