Die Frankfurter U-Bahn begeht in diesem Jahr zwei große Jubiläen. Einerseits jährt sich ihr Bau-Beschluss zum 50. Mal, andererseits wurde vor 25 Jahren der Betrieb auf den Linien U6 und U7 aufgenommen. Für den Verein „Historische Straßenbahn der Stadt Frankfurt am Main e. V.“ (HSF) sowie die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) war dies Anlass genug, Anfang August ein ganzes Wochenende die nur selten zugängliche Stadtbahnausstellung in der U-Bahn-Station Kirchplatz zu öffnen.
Gelbe Hinweisschilder wiesen am 6. und 7. August 2011 den Weg zum Eingang in der B-Ebene der Station Kirchplatz. Eine sonst unauffällige Tür war gesäumt von weißen Tischen mit Souvenirs sowie Informationsbroschüren des Verkehrsmuseums Frankfurt am Main. Vorsichtig und unsicher gingen die meisten Besucher durch die Tür, nicht wissend, was sie dahinter im normalerweise nicht öffentlichen Bereich der Station erwartet. „Einfach nur den Schildern folgen“, wurde ihnen am Eingang gesagt. Nachdem sie einen unscheinbaren Vorraum durchquert hatten und eine Treppen hinunter gegangen waren, standen die Besucher dann auch schon mittendrin in der Geschichte der Frankfurter U-Bahn.
Die Stadtbahnausstellung des Verkehrsmuseums Frankfurt am Main in der Station Kirchplatz umfasst drei Räume mit insgesamt knapp 600 m² Ausstellungsfläche. Im ersten Raum konnte die Sonderausstellung „25 Jahre C-Strecke“ mit 25 Impressionen der Geschichte der U-Bahn-Linien U6 und U7 besichtigt werden. Alle Bilder dokumentierten einen Teil der Geschichte jener beiden auf der sog. Stadtbahnstrecke „C“ verkehrenden Linien, angefangen beim Bau über die Eröffnung bis hin zum alltäglichen Betrieb sowie Streckenerweiterungen. Insbesondere die Bilder aus der Bauzeit wurden aufmerksam betrachtet und mit dem heutigen Ist-Zustand verglichen. Auf großes Interesse der Besucher stieß auch ein Film zur Geschichte zum Bau der U-Bahn unter der Eschersheimer Landstraße aus dem Jahr 1968. Dieser wurde ebenfalls im Raum 1 gezeigt und weckte besonders bei älteren Besuchern Erinnerungen an die für viele Frankfurter nicht immer einfache Bauphase mit Lärm, Dreck und Umwegen.
Dem Rundgang folgend gelangten die Besucher anschließend in den zweiten Raum der Ausstellung. Auf einer Vielzahl von Schautafeln wurde hier anhand vieler Bilder, Grafiken und Texte die Geschichte der Stadtbahnstrecken „A“ (U1, U2, U3, U8, U9) sowie „B“ (U4, U5) erläutert. Ergänzt wurden diese Informationen durch mehrere Modelle von Stadtbahnstationen im Maßstab 1:100, welche den Aufbau mehrerer Stationen visualisierten. Tafeln zur Bau-, Signal- und Betriebsleittechnik verschafften zudem einen Blick hinter die Kulissen der U-Bahn. Passend dazu wurde hier auch ein elektrisches Modell der Betriebsleitstelle in der Elefantengasse gezeigt.

Im dritten Raum der Ausstellung lag der Fokus auf der Stadtbahnstrecke „C“ (U6, U7). Deren Geschichte wurde hier mithilfe vieler Schautafeln und Stationsmodelle im Maßstab 1:100 dargestellt. Zudem konnten hier Bilder des Baus des unterirdischen Abschnitts zwischen Hauptbahnhof und Bockenheimer Warte, welcher der erste gebaute Abschnitt der Stadtbahnstrecke „D“ ist, betrachtet werden. In diesem Raum konnten auch Tafeln zur Stromversorgung der Stadtbahnen, zu Notausgängen, Fahrtreppen und Aufzügen betrachtet werden. Diese ließen abermals einen Blick hier die Kulissen der U-Bahn zu. Abschließend komplettierten Tafeln zu den unterschiedlichen Fahrzeugtypen der Frankfurter Stadtbahn den Rundgang durch die Ausstellung.

Insgesamt konnten HSF und VGF am Stadtbahnwochenende fast 900 Besucher begrüßen, welche sich zumeist beeindruckt von Inhalt und Umfang der Ausstellung zeigten. Bei vielen kam daher auch die Frage auf, warum die unterirdischen Räume eigentlich gebaut wurden. Die Antwort darauf ist weniger beeindruckend: als die unterirdischen Stadtbahnstationen gebaut wurden, mussten dazu große Mengen Erdreich bewegt werden, um Platz für den Bau zu schaffen. Man entschied sich dann dafür, das so entstandene Bauloch zu füllen, indem man derartige Räume baute.

Viele kleine Besucher rannten vom Ausgang übrigens direkt wieder zum Eingang hinüber. Dort hatten sie vor dem Rundgang durch die Stadtbahnausstellung einen Fragebogen mit insgesamt 15 Fragen bekommen, den sie ausgefüllt zurückbringen und sich ein kleines Präsent als Belohnung abholen konnten.
Zur Anreise der Besucher wurde an beiden Öffnungstagen auch ein Pendelverkehr mit historischen und modernen Straßenbahnen zum Schönhof eingerichtet, von wo aus die Ausstellung über einen kurzen ausgeschilderten Fußweg erreichbar war. Am Samstag pendelten die Sonderbahnen zwischen Hauptbahnhof und Schönhof, am Sonntag zwischen Verkehrsmuseum, Hauptbahnhof und Schönhof. (ab)