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Frankfurt verabschiedet das Urgestein seiner U-Bahn

22.03.16
Die letzten Wagen des Typs „U2“ werden 2016 ausgemustert. Zum Abschied findet am 3. April 2016 ein öffentlicher Pendelverkehr zum Mitfahren und Fotografieren zwischen Römerstadt und Oberursel Bahnhof statt.

Von der Aufnahme des U-Bahn-Betriebs am 4. Oktober 1968 an prägten sie das Bild der Frankfurter U-Bahn: die Triebwagen des Typs „U2“. Waren es zum Zeitpunkt der Betriebsaufnahme nur 20 Fahrzeuge, wuchs ihre Zahl im Laufe der Jahre und des wachsenden Streckennetzes auf insgesamt 104 Wagen. Bereits 2008 hat die VGF damit begonnen, die teilweise über 40 Jahre alten Bahnen auszumustern. Mit der Inbetriebnahme der neuen Wagen des Typs „U5“ wurden die U2-Wagen sukzessive außer Dienst gestellt und größtenteils verschrottet. Dieses Jahr werden die letzten Bahnen, die derzeit noch als Reserve vorgehalten werden, ausgemustert.

Hervorgegangen waren die Wagen des Typs „U2“ aus den beiden Prototypen der Frankfurter U-Bahn-Fahrzeuge. Diese wurden als Typ „U1“ bezeichnet und waren 1965 gebaut sowie ab Mai 1966 getestet worden. Die beim Probebetrieb mit den U1-Wagen gesammelten Erfahrungen beeinflussten sowohl die Konstruktion als auch den Bau der U2-Wagen. Beispielsweise waren die neuen Fahrzeuge 23 statt 21,8 Meter lang, um die Unterbringung der Elektronik zu vereinfachen. Auch wurden die Wagen mit Rollbändern für die Zielanzeige versehen, da die Steckschilder in den Prototypen nicht für jeden Fahrer erreichbar gewesen sind.

Der ersten von insgesamt sieben Serien des Typs „U2“ gehörten insgesamt 30 Fahrzeuge an. Die Bahnen wurden zwischen Juni 1968 und Anfang 1969 angeliefert. Zur Betriebsaufnahme der Frankfurter U-Bahn am 4. Oktober 1968 zwischen Hauptwache und Nordwestzentrum standen 20 Fahrzeuge zur Verfügung.

Mit der Aufnahme des U-Bahn-Betriebs zwischen Hauptwache und Bad Homburg Gonzenheim am 19. Dezember 1971 ergab sich ein Mehrbedarf von 15 neuen U2-Wagen. Aus diesem Grund wurde die zweite Serie bestellt. Sie wurde zwischen Mai und September 1971 in Betrieb genommen.

Zwischen September 1975 und April 1976 erfolgte die Inbetriebnahme der Wagen der dritten und vierten Serie. Diese umfassten jeweils 10 Fahrzeuge und wurden für die Erhöhung der Kapazität auf den U-Bahn-Linien angeschafft.

Die Aufnahme des U-Bahn-Betriebs nach Oberursel am 28. Mai 1978 sowie eine weitere Kapazitätserhöhung auf der Linie nach Bad Homburg Gonzenheim waren ausschlaggebend für die Bestellung der fünften und sechsten Serie der U2-Wagen. In Betrieb genommen wurden die insgesamt 32 Wagen, 25 der Serie fünf und sieben der Serie sechs, zwischen Dezember 1977 und September 1978.

Fortan waren die Wagen des Typs „U2“ auf allen Linien der sog. „A-Strecke“, den Linien U1, U2 und U3, zwischen Theaterplatz (heutiger Willy-Brandt-Platz) und Ginnheim, Bad Homburg bzw. Oberursel unterwegs. Mit der Verlängerung der drei Linien vom Theaterplatz zum Südbahnhof wurde die siebte Serie, bestehend aus insgesamt sieben Wagen, bestellt. Die Bahnen wurden zwischen August und Dezember 1984 in Betrieb genommen. Sie waren die einzigen U2-Wagen, die nicht mehr in rot-weißer, sondern in der reinorange-hellelfenbein-beigegrauer Lackierung der Stadtwerke angeliefert worden sind. Die Bestandswagen wurden bereits seit 1981 sukzessive umlackiert.

Mit der Geschäftsaufnahme der VGF im Jahr 1996 hielt erneut eine neue Farbgebung in den Frankfurter Nahverkehr Einzug. Fortan erhielten auch fast alle U2-Wagen nach und nach eine Lackierung in „subaru-vista-blue“.

Nach der Anschaffung der U-Bahn-Wagen des Typs „U4“ wechselten im Jahr 1998 insgesamt 34 U2-Wagen ihren Einsatzort. Sie kamen nicht mehr auf der „A-Strecke“, sondern auf der Linie U7, der „C-Strecke“, zum Einsatz. Da auf dieser Strecke die Bahnsteige mit 87 cm höher waren als auf der „A-Strecke“, musste die Wagen zunächst umgebaut werden. Die Trittstufe im Eingangsbereich wurde entfernt, sodass fortan ein ebenerdiger Einstieg möglich war. Alle umgebauten Wagen erhielten die neue Typbezeichnung „U2e“.

Unterschiedliche Bahnsteighöhen waren auch der Grund, warum alle auf der „A-Strecke“ verbliebenen U2-Wagen ab 1999 ebenfalls umgebaut wurden. Hier wurde die Trittstufe jedoch nicht entfernt, sondern nur erhöht, sodass im Wageninneren eine kleine 10 cm hohe Stufe verblieb. Die derart umgebauten Wagen erhielten die neue Typbezeichnung „U2h“.

In den folgenden Jahren erfolgten weitere Fahrzeugumbauten von „U2h“ nach „U2e“, insbesondere deshalb, weil seit 2008 die neuen Bahnen des Typs „U5“ in Betrieb genommen werden und somit auf der „A-Strecke“ eingesetzte U2-Wagen auf anderen U-Bahn-Linien zum Einsatz kommen sollten. Die Fahrzeuge wurden fortan auch auf der, ebenfalls auf der C-Strecke verkehrenden, Linie U6 sowie auf der Linie U4, die auf der „B-Strecke“ verkehrt, eingesetzt. Die einzigen U-Bahn-Linien, die nie durch U2-Wagen bedient wurden, sind die Linie U5 sowie die beiden Riedberg-Linien U8 und U9.

Mit der zunehmenden Anlieferung der neuen U5-Wagen zeichnete sich das Ende der U2-Wagen mehr und mehr ab. Bereits seit 2012 werden auf der „A-Strecke“ keine U2-Wagen mehr eingesetzt. Im Frühjahr 2015 wurde auch der Betrieb der Linie U4 auf neue Fahrzeuge umgestellt. Zwischenzeitlich werden sie auch auf der „C-Strecke“ nicht mehr planmäßig eingesetzt, sondern stehen nur noch als Reserve zur Verfügung.

Anlässlich des Ausscheidens der letzten U2-Wagen aus dem Betrieb veranstalten VGF und HSF am Sonntag, den 3. April 2016, einen öffentlichen Pendelverkehr zum Mitfahren und Fotografieren. Mehrere aus Triebwagen des Typs „U2“ gebildete Züge werden zwischen 10 und 16 Uhr zunächst im 30- sowie später im 20-Minuten-Takt zwischen der Römerstadt und dem Bahnhof Oberursel pendeln. Die Fahrten sind öffentlich, Fahrgäste benötigen lediglich eine gültige RMV-Fahrkarte.

Der Fahrplan des Pendelverkehrs kann zudem im Internet unter

www.hsf-ffm.de/u2-wagen-abschied

heruntergeladen werden.

Vollständig aus Frankfurt verschwinden werden die U2-Wagen übrigens nicht. Die VGF hat mit den Wagen 303, 304 und 305 die ersten drei Fahrzeuge des Typs „U2“ optisch in ihren rot-weiß-lackierten Auslieferungszustand zurückversetzt. Sie wurden in den historischen Fuhrpark der VGF, zu dem bereits fünf Straßenbahnen und ein Omnibus gehören, aufgenommen. Die Wagen stehen für Anmietungen sowie Sonderfahrten zur Verfügung und werden somit auch weiterhin ab und an im Frankfurter Stadtbild zu sehen sein.

Download:

Fahrplan U2-Wagen-Pendelverkehr am 3. April 2016
(PDF, 157 KB)

Pressekontakt:
HSF-Vereinskommunikation
E-Mail: presse(at)hsf-ffm.de

VGF-Unternehmenskommunikation
Tel.: 069 / 213 276 49
E-Mail: presse(at)vgf-ffm.de