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Internationaler Museumstag: Tag der Niederflurstraßenbahn im Verkehrsmuseum

07.05.08
Am Sonntag, dem 18. Mai 2008 nimmt das Verkehrsmuseum am Internationalen Museumstag teil. Der Tag steht unter dem Motto Niederflurstraßenbahnen. Auf dem Freigelände präsentiert das Verkehrsmuseum eine Fahrzeugparade aus dem historischen Niederflurbeiwagen vom Typ "v/nf" und den modernen Niederflurtriebwagen vom Typ "R" und "S". Auch für das leibliche wird gesorgt.

Zum Internationalen Museumstag am Sonntag, 18. Mai 2008, veranstaltet das Verkehrsmuseum Frankfurt am Main von 10 bis 17 Uhr einen "Tag der Niederflurstraßenbahn". Anlass ist das 85-jährige Jubiläum des v/nf-Beiwagens mit der Nummer 1300, der von 1924 bis 1959 auf den Strecken nach Oberursel und Bad Homburg zum Einsatz kam. Dazu wird der Wagen erstmals nach 24 Jahren seinen Stammplatz in der Westhalle des Museums verlassen und im Freigelände auf zwei moderne Vertreter von Niederflurstraßenbahnen treffen.

Von der "Badewanne" zur S(uper)-Klasse

Zur Auftragsbelegung fertigte die Waggonfabrik in Uerdingen bei Krefeld 1923 für die Industriemesse in Stettin einen vierachsigen Beiwagen mit Niederflureinsteig als Ausstellungsstück an. Nach der Messe blieben jedoch Aufträge aus und das Einzelstück wurde an die Frankfurter Lokalbahn (FLAG) verkauft. Ab 1924 kam der Wagen, damals mit der Nummer 75 versehen, auf den damaligen Linien 24 nach Oberursel und 25 nach Bad Homburg zum Einsatz. Der Wagen war sowohl bei den Fahrgästen als auch beim Personal wegen seines niedrigen Einstiegs gleichermaßen beliebt und erhielt den Spitznamen "Badewanne". Nachdem zum 1. Januar 1955 der Geschäftsbetrieb der FLAG von der Stadt Frankfurt am Main übernommen wurde, wurde die "Badewanne" auf die Nummer 1300 umnummeriert und erhielt die Typenbezeichnung "v/nf". Am 31. Dezember 1959 kam der Beiwagen allerdings zum letzten Mal zum Einsatz, da zum 1. Januar 1960 neue Vorschriften im Bereich der Bremsausrüstung zur Anwendung kamen und ein Nachrüsten der "Badewanne" für die noch geplante Einsatzzeit zu kostenintensiv gewesen war. Nach der Außerdienststellung wurde der Wagen sofort in die historische Sammelung übernommen und steht seit 1984 in der Ausstellung des Verkehrsmuseums Frankfurt am Main in Schwanheim.

Erst als Ende der 80er-Jahre der Durchbruch von Niederflurstraßenbahnen in Deutschland Einzug hielt und man sich in Frankfurt gegen die weitere Einbeziehung von Straßenbahnenstrecken in das Stadtbahnsystem (U-Bahn) entschied und für die Modernisierung und den Ausbau der Straßenbahn stimmte, kam die Diskussion über neue Fahrzeugen auf. Die zu diesem Zeitpunkt eingesetzten Straßenbahnen waren mittlerweile an ihre wirtschaftliche Nutzungsdauer angelangt und weitere standen unmittelbar davor. Man beschloss 100 Niederflur-Triebwagen bei der Industrie zu bestellen. Der Auftrag wurde damals an DUEWAG vergeben, die 1993 den ersten Straßenbahntriebwagen vom Typ "R" anlieferten. Bei R-Wagen handelt es sich um Zweirichtungsfahrzeug, dem ersten hundertprozentigen Niederflurtriebwagen der Welt, der in Serie ausgeliefert wurde. Für die Gestaltung des R-Wagen zeichnet sich Professor Herbert Lindinger aus Hannover verantwortlich. Der R-Wagen war das erste Schienenfahrzeug, dass die neue Farbe subaruvistablue trug. Die erste Lieferserie betrug 20 Fahrzeuge. 1997 wurden weitere 20 Fahrzeuge ausgeliefert, die nach den Erfahrungen mit der ersten Lieferserie überarbeitet wurde. Heute sind noch 38 Fahrzeuge des Typ "R" im Bestand der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF). Derzeit erhalten die R-Wagen eine Hauptuntersuchung und sowohl der Innenraum als auch die äußere Lackierung werden an den Nachfolgetyp "S" angepasst.

Nachdem Siemens als Nachfolger von DUEWAG kein weiteres Interesse daran hatte den R-Wagen weiter zu produzieren und der von Siemens angebotene Combino, ebenfalls ein Fahrzeug mit 100 Prozent Niederfluranteil, die VGF als Nachfolger für den Typ R nicht überzeugen konnte, bestellte die VGF im Jahr 2002 beim kanadischen Hersteller Bombardier 65 neue Fahrzeuge aus der Flexity Classic-Familie, die bereits erfolgreich in Kassel, Schwerin, Essen und Krakau (Polen) im Einsatz waren. Der als Typ "S" bezeichnete Straßenbahntriebwagen wurde ab dem Spätsommer 2003 ausgeliefert. Das letzte Fahrzeug wurde Anfang des letzten Jahres in Dienst gestellt. Mit der Auslieferung des Typ "S" wurden die letzten Hochflurwagen nach und nach aus dem Dienst genommen. Heute verkehren auf allen Straßenbahnlinien in Frankfurt nur noch Niederflurwagen der Typen R und S.

Im Gegensatz zum R-Wagen hat der S-Wagen nur noch einen Niederfluranteil von 70 Prozent. Als erstes Frankfurter Schienenfahrzeug verfügt der S-Wagen über eine Klimaanlage. Auch auf die besonderen Belange von mobilitätseingeschränkten Fahrgästen wurde besonders großer Wert gelegt. Um große Fahrgastmengen insbesondere bei Veranstaltungen in der Commerzbank-Arena (Waldstadion) befördern zu können, sind die S-Wagen im Gegensatz zum R-Wagen wieder fähig im Zugverband zu fahren. Die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Stadion wurde 2005 extra zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ausgebaut und auch die Stromversorgung wurde entsprechend angepasst. Seitdem verkehren die S-Wagen auch zu Spielen Frankfurter Eintracht in Doppeltraktionen zum Stadion.

Bequem mit Bus und Bahn ins Verkehrsmuseum

Das Verkehrsmuseum ist am 18. Mai, wie jeden Sonn- und Feiertag, von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 3 Euro für Erwachsene und 1 Euro für Kinder von 4 bis 14 Jahren. Schüler, Studenten und Senioren zahlen 2 Euro.

Das Verkehrsmuseum in Schwanheim ist bequem mit Bus und Bahn zu erreichen. Die Straßenbahnlinie 12 und die Buslinien 51 und 62 halten direkt vor dem Museum in der Rheinlandstraße.

Bei Rückfragen:
Thomas Lusmöller
HSF-Vereinskommunikation
E-Mail: thomas.lusmoeller@hsf-ffm.de